Bayerische Klassik

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Als „Bayerische Klassik“ (selten: „bairische Klassik“) wird allgemein der Zeitraum von 1970-1988 bezeichnet, durch Franz-Josef Strauß begründet. Politisch wie wirtschaftlich zeichnet sich diese in Anlehnung an die Antike auch „Goldenes Zeitalter“ genannte Periode durch Wohlstand, Freiheitlichkeit und hermetische Kulturabriegelung gegenüber äußeren Einflüssen aus. Das Zeitalter unter Strauß' Epigonen Edmund Stoiber hingegen gilt allgemein als die „silberne Bayerität“, wenngleich diese pejorative Einstufung von manchen Historikern abgelehnt wird.

Literatur und Drama[bearbeiten]

Künstlerisch auf einen Gipfelpunkt getrieben wurden in der bayerischen Klassik die Gattungen des Schwanks, des Rührstücks sowie der Burenzote, im epischen Bereich stand der Arztroman in einer nie wieder erreichten Blüte. Institutionen wie Peter Steiners Theaterstadl zeugen noch heute von der kulturellen Pracht, die in jenen Jahren erreicht wurde.

Bildende Kunst[bearbeiten]

Auf kaum einem anderen Feld zeigte sich die bayerische Klassik so produktiv und stilprägend wie in der kunstvollen Weiterentwicklung der Marienfiguren. Noch heute sind in zahlreichen katholischen Kirchen Zeugnisse jener gewaltigen plastischen Schöpferkraft zu bestaunen. Die realistische Imitatio wird auf ein zuvor undenkbares Niveau gehoben. Der Einfluss auf die moderne Bildhauerei kann nicht unterschätzt werden.

Musik und Tanz[bearbeiten]

Es ergaben sich bereits früh (spätestens ab 1974) Adaptionen traditioneller Musik- und Tanzaufführungen, deren Ursprünge bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Das performative Element wurde dabei übersteigert, wobei gerade die radikale Opposition zwischen männlich und weiblich besetzter Sphäre massiven Einfluss auf die volkstümlichen Zelebrierungen nahm, die sich noch heute in Ereignissen wie dem Sommerfest der Volksmusik manifestieren.

Siehe auch.png Siehe auch:  Projekt:Gstanzlwinkl


Weiterführende Literatur[bearbeiten]

  • Mülke, M. / Gnilka, Chr.: Alles hängt mit allem zusammen, Alpha-Omega Verlag, Münster 2008 (grundlegend).
  • Stoiber, E.: Gestammelte Werke. Eine bayerische Phaselologie, 9. Auflage, München 2008 (vergriffen).
  • Prahlhans, Junker: Die bayerische Klassik im Spiegel der Moderne. München 2005.
  • Theophil, Gottlob-Fürchtegott: Schwank und Schand. Zum Geniekult in der bairischen Klassik. Augsburg 1996.
  • Strauß, Franz-Josef: Ich tat es für mein Land. Erinnerungen. Nürnberg 1982.
  • Hinterstübchen, Horst: „Nix Kontext - übersetzen!“. Zur Praxis der Übertragungskunst aus dem Altbajuwarischen ins Neuhochdeutsche von 1970 bis in die Gegenwart. Eine linguistische Studie auf Grundlage klassischer Texte. Ingolstadt 2004.
  • Steiner, Peter: Die Performanz in der Kompetenz. Kontroverse zum gegenwärtigen Stand des Volkstheaters. Unterhaching 2003.
  • Tupfelhuber, Uwe: Gattungspoetische Kohäsion und Kollision: Die Burenzote in neuer Beleuchtung. Garmisch-Partenkirchen 1997.
  • Zudenbüttl, Georg: Das klassische Bayern. Ein Plädoyer. Schweinfurt 1998.
  • Pedokles, M.: Zieht den Bayern... Kulturelle Konflikte der Bayern mit der indigenen Bevölkerung der nördlichen Germania in klassischer Zeit, in: Die Bayern und die anderen. Ansehen, Versehen und Fernsehen einer Großmacht. FS E. Stoiber, Rosenheim 2009 (im Druck, steht jetzt bei Mülke).
  • Völz, Wolle: Schöne Schummer. Zur Motivik des Weißbiermissbrauchs in Schaustücken der bayerischen Klassik. Untergäring 2011.