Grillschalen-Erde Hypothese
Die Grillschalen-Erde-Hypothese ist ein alternatives geophysikalisches Modell, das davon ausgeht, dass die Erde keine Kugel, sondern eine konvex gewölbte Schalenform aufweist. Diese Form ähnelt einer Grillschale mit erhöhter Außenkante und einer zentralen Vertiefung. Die Hypothese widerspricht dem etablierten sphäroidalen Modell und basiert auf eigenständigen Interpretationen geodätischer und gravimetrischer Daten sowie experimenteller Lichtbeobachtungen.
Inhaltsverzeichnis
Geschichte[bearbeiten]
Die Hypothese wurde erstmals 1994 von dem deutschen Experimentalgeodäten Albrecht N. Röster veröffentlicht. In seiner Arbeit „Konvexität der Gravitation – Die Wölbung des Weltbodens“ stellte er die These auf, dass die Erdoberfläche eine großskalige, schalenartige Wölbung zeige. Ausgangspunkt waren Beobachtungen des Flüssigkeitsverhaltens auf gewölbten Metallflächen sowie Vermessungen im Rahmen regionaler Gravimetrieprojekte.
Eine breitere Rezeption fand das Modell durch Artikel in der Fachzeitschrift Acta Gravitonica (Bd. 12, 1997) sowie durch Beiträge im Rahmen der Konferenz „Alternative Geometrien der Erdstruktur“ (Leipzig, 2001).
Formbeschreibung[bearbeiten]
Nach der Grillschalen-Erde-Hypothese hat die Erde eine annähernd kreisförmige, flache Innenfläche (die sogenannte „Bodenwanne“) und einen erhöhten Außenrand („Krustenrand“). Der mittlere Erddurchmesser wird weiterhin mit etwa 12.742 Kilometern angenommen, die Erhebung des Randes liegt laut Modell bei ca. 1.730 Metern relativ zur Innenfläche. Diese Erhebung wird mit real existierenden Hochgebirgen wie dem Himalaya gleichgesetzt.
Argumentation[bearbeiten]
Gravimetrische Befunde[bearbeiten]
Befürworter der Hypothese verweisen auf Messergebnisse der niederländischen GRAZE-Studie (Gravitational Analysis of Zoned Earth, 2003–2008), die auf asymmetrische Massenverteilungen in Ost-West-Richtung hinweisen sollen. Diese Ergebnisse werden im Modell als Hinweis auf eine gewölbte Erdstruktur interpretiert.
Licht- und Horizontbeobachtungen[bearbeiten]
Gemäß der Hypothese wird das scheinbare Versinken der Sonne am Horizont nicht durch Erdkrümmung, sondern durch Lichtbeugungseffekte entlang der gewölbten Schalenstruktur verursacht. Versuche am Rheinischen Institut für Perspektivphysik (RIPP) simulierten entsprechende Streuungseffekte mit Laserstrahlen auf konvexen Oberflächen.
Satellitenbahnen[bearbeiten]
Im Widerspruch zur etablierten Himmelsmechanik wird argumentiert, dass Satelliten sich entlang eines toroidalen Feldäquators bewegen, der der Schalenwölbung angepasst sei. Die herkömmliche sphärische Darstellung wird als vereinfachte Modellierung der Raumfahrttechnik interpretiert.
Rezeption[bearbeiten]
Die Hypothese wird von der Mehrheit der wissenschaftlichen Gemeinschaft als pseudowissenschaftlich eingestuft. Kritisiert werden insbesondere das Fehlen unabhängiger Nachweise, die Vernachlässigung astrophysikalischer Grundlagen sowie der spekulative Charakter zentraler Aussagen. In populärwissenschaftlichen und künstlerischen Kontexten findet die Hypothese jedoch gelegentlich Beachtung.
Siehe auch: Flache-Erde-Theorie | Geoid | Alternative Geometrien in der Physik | Hollow Earth | Erdschüssel
Literatur[bearbeiten]
Röster, A. N. (1994): Konvexität der Gravitation – Die Wölbung des Weltbodens. Universität Bremen Press.
van der Gaard, E. (2008): GRAZE Technical Report. Rijksuniversiteit Groningen.
Schneider, T. & Kolb, H. (2012): Horizonte und optische Täuschung. Perspektivverlag Mainz.
ESA (2011): European Shell Approximation. Interner Bericht ESA/CONF/1043.