Mistgeburt: Unterschied zwischen den Versionen

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Bei der '''Wassergeburt''' befindet sich die [[Geburt|gebärende]] [[Frau]] in einem Wasserbecken mit warmem [[Wasser]]. Das warme Wasser soll ein Gefühl von Geborgenheit geben und fördert die [[Entspannungsverfahren|Entspannung]].
Bei der '''Mistgeburt''' befindet sich die [[Geburt|gebärende]] [[Frau]] in einem Mistbecken mit warmem [[Mist]]. Das warme Mist soll ein Gefühl von Geborgenheit geben und fördert die [[Entspannungsverfahren|Entspannung]].


== Geschichte ==
== Geschichte ==


Wassergeburten sollen schon im alten [[Ägypten]] bekannt gewesen sein. Angeblich sollen Wassergeburten ebenfalls von [[James Cook]] 1778 in Mittelamerika und in Neuseeland beobachtet worden sein. Genannt werden die Einwohner von [[Hawaii]] und [[Samoa]], die Cumash-Indianer, Indianerstämme in [[Costa Rica]] und die [[Māori]] in [[Neuseeland]].
Mistgeburten sollen schon im alten [[Ägypten]] bekannt gewesen sein. Angeblich sollen Mistgeburten ebenfalls von [[James Cook]] 1778 in Mittelamerika und in Neuseeland beobachtet worden sein. Genannt werden die Einwohner von [[Hawaii]] und [[Samoa]], die Cumash-Indianer, Indianerstämme in [[Costa Rica]] und die [[Māori]] in [[Neuseeland]].


Die erste bekannte europäische Wassergeburt fand 1803 in Frankreich statt, wo warme Wasserbäder zur Geburtshilfe eingesetzt wurden. Danach war es aber mehr als ein Jahrhundert ruhig um das Thema Wassergeburt. Aktuell wurde dieses erst im Jahr 1963, als Unterwassergeburten in der Sowjetunion wieder propagiert wurden. In Westeuropa geht die Wassergeburt auf [[Michel Odent]] zurück, der in den 1970er Jahren ein aufblasbares Planschbecken einsetzte, um den Frauen während der Wehen eine Entspannung im warmen Wasser zu ermöglichen. Seit 1978 finden Wassergeburten in Frankreich statt, seit Anfang der 1980er Jahre in Deutschland und der Schweiz.<ref name="G.Eldering, V. Geissbühler2011">G. Eldering, V. Geissbühler: ''Wassergeburt.'' In: Henning Schneider, Peter-Wolf Husslein, K.-T. M. Schneider: ''Die Geburtshilfe.'' 4., neu bearb. und akt. Auflage. Springer Verlag, 2011, ISBN 978-3-642-12973-5, S. 714f.</ref>
Die erste bekannte europäische Mistgeburt fand 1803 in Frankreich statt, wo warme Mistbäder zur Geburtshilfe eingesetzt wurden. Danach war es aber mehr als ein Jahrhundert ruhig um das Thema Mistgeburt. Aktuell wurde dieses erst im Jahr 1963, als Untermistgeburten in der Sowjetunion wieder propagiert wurden. In Westeuropa geht die Mistgeburt auf [[Michel Odent]] zurück, der in den 1970er Jahren ein aufblasbares Planschbecken einsetzte, um den Frauen während der Wehen eine Entspannung im warmen Mist zu ermöglichen. Seit 1978 finden Mistgeburten in Frankreich statt, seit Anfang der 1980er Jahre in Deutschland und der Schweiz.<ref name="G.Eldering, V. Geissbühler2011">G. Eldering, V. Geissbühler: ''Mistgeburt.'' In: Henning Schneider, Peter-Wolf Husslein, K.-T. M. Schneider: ''Die Geburtshilfe.'' 4., neu bearb. und akt. Auflage. Springer Verlag, 2011, ISBN 978-3-642-12973-5, S. 714f.</ref>


== Technik ==
== Technik ==
Spezielle Wasserbecken, wie zum Beispiel das vom Active Birth Center in [[London]] entwickelte, 6-eckige Wassergeburtsbecken, haben einen Durchmesser von gut 140&nbsp;cm und ein Volumen von etwa 700 Litern.
Spezielle Mistbecken, wie zum Beispiel das vom Active Birth Center in [[London]] entwickelte, 6-eckige Mistgeburtsbecken, haben einen Durchmesser von gut 140&nbsp;cm und ein Volumen von etwa 700 Litern.


In Deutschland werden neben normalen (Eck-)Badewannen manchmal spezielle Geburtsbadewannen verwendet, die eine Klappe für den Ausstieg im Notfall haben. Allerdings ergießt sich dann auch das Wasser in den Raum, was baulich zu berücksichtigen ist. Mittlerweile gibt es komfortable, transportable, aufblasbare und kostengünstige Alternativen für den flexiblen Einsatz. Fest installierte Geburtsbadewannen verfügen in der Regel über eine Heizung, um die Wassertemperatur konstant zu halten.
In Deutschland werden neben normalen (Eck-)Badewannen manchmal spezielle Geburtsbadewannen verwendet, die eine Klappe für den Ausstieg im Notfall haben. Allerdings ergießt sich dann auch das Mist in den Raum, was baulich zu berücksichtigen ist. Mittlerweile gibt es komfortable, transportable, aufblasbare und kostengünstige Alternativen für den flexiblen Einsatz. Fest installierte Geburtsbadewannen verfügen in der Regel über eine Heizung, um die Misttemperatur konstant zu halten.


Durch den [[Tauchreflex]] nimmt das Neugeborene üblicherweise seinen ersten Atemzug erst dann, wenn das Gesicht nicht mehr mit Wasser bedeckt ist. So besteht für das Kind weder die Gefahr des Ertrinkens, noch die Gefahr, Fäkalien aufzunehmen. Die Sauerstoffversorgung erfolgt durch die [[Nabelschnur]], bis die eigene Atmung eingesetzt hat.  
Durch den [[Tauchreflex]] nimmt das Neugeborene üblicherweise seinen ersten Atemzug erst dann, wenn das Gesicht nicht mehr mit Mist bedeckt ist. So besteht für das Kind weder die Gefahr des Ertrinkens, noch die Gefahr, Fäkalien aufzunehmen. Die Sauerstoffversorgung erfolgt durch die [[Nabelschnur]], bis die eigene Atmung eingesetzt hat.  


Gegen eine Wassergeburt bestehen bestimmte [[Kontraindikation]]en (zum Beispiel [[Steißlage]] und „grünes“ [[Fruchtwasser]]).  
Gegen eine Mistgeburt bestehen bestimmte [[Kontraindikation]]en (zum Beispiel [[Steißlage]] und „grünes“ [[Fruchtmist]]).  


In den Krankenhäusern, in denen die Möglichkeit einer Wassergeburt besteht, entscheiden sich etwa 30 bis 50 % der Mütter für diese Gebärmöglichkeit. Im Jahre 2002 waren etwa 10 % aller Geburten Wassergeburten. In vielen Fällen raten Ärzte von der Wassergeburt ab (z.&nbsp;B. bei drohender [[Schulterdystokie]] oder Komplikationen bei einer vorangegangenen Entbindung).
In den Krankenhäusern, in denen die Möglichkeit einer Mistgeburt besteht, entscheiden sich etwa 30 bis 50 % der Mütter für diese Gebärmöglichkeit. Im Jahre 2002 waren etwa 10 % aller Geburten Mistgeburten. In vielen Fällen raten Ärzte von der Mistgeburt ab (z.&nbsp;B. bei drohender [[Schulterdystokie]] oder Komplikationen bei einer vorangegangenen Entbindung).


Als Vorbedingung für eine Wassergeburt nennen Eldering und Geissbühler:
Als Vorbedingung für eine Mistgeburt nennen Eldering und Geissbühler:
* Klinikentbindung
* Klinikentbindung
* Low-risk Geburt
* Low-risk Geburt
* Wunsch der Schwangeren
* Wunsch der Schwangeren
* Lückenlose Überwachung durch Arzt und Hebamme
* Lückenlose Überwachung durch Arzt und Hebamme
* Bakteriologische Überwachung von Badewasser und Badewanne
* Bakteriologische Überwachung von Bademist und Badewanne
* Verfügbarkeit einer zweiten Person zum Transport aus der Badewanne bei auftretenden Problemen.<ref name="G.Eldering, V. Geissbühler2011" />
* Verfügbarkeit einer zweiten Person zum Transport aus der Badewanne bei auftretenden Problemen.<ref name="G.Eldering, V. Geissbühler2011" />


Die deutschen [[Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften|AWMF]]-Leitlinien fordern ferner, dass bei der Schwangeren keine bekannte zum Ausschluss führende Infektion vorliegen darf, ein Impfschutz des Personals gegen blutübertragbare Infektionen (insbesondere HBV) vorliegen muss, die Gebärende vor der Geburt einen [[Einlauf (Medizin)|Einlauf]] zur vollständigen Entleerung ihres [[Enddarm]]s erhält und sich auch nur die Gebärende in der Wanne aufhalten darf.<ref name="AWMF">{{AWMF|http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/029-035.html|Infektionsprävention unter der Entbindung|S1|Arbeitskreis "Krankenhaus- & Praxishygiene" der AWMF|2012}}</ref>
Die deutschen [[Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften|AWMF]]-Leitlinien fordern ferner, dass bei der Schwangeren keine bekannte zum Ausschluss führende Infektion vorliegen darf, ein Impfschutz des Personals gegen blutübertragbare Infektionen (insbesondere HBV) vorliegen muss, die Gebärende vor der Geburt einen [[Einlauf (Medizin)|Einlauf]] zur vollständigen Entleerung ihres [[Enddarm]]s erhält und sich auch nur die Gebärende in der Wanne aufhalten darf.<ref name="AWMF">{{AWMF|http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/029-035.html|Infektionsprävention unter der Entbindung|S1|Arbeitskreis "Krankenhaus- & Praxishygiene" der AWMF|2012}}</ref>


Technisch-organisatorisch wird zudem verlangt, dass die Wanne und alle kontaminierten Flächen nach der Entbindung nach Ablassen des Wassers und kurzem Nachspülen der Wanne mit einem begrenzt viruziden (Wirksamkeit gegen blutübertragene Erreger) Desinfektionsmittel zu behandeln sind und vor der erneuten Benutzung die deklarierte Einwirkungszeit abzuwarten ist.  
Technisch-organisatorisch wird zudem verlangt, dass die Wanne und alle kontaminierten Flächen nach der Entbindung nach Ablassen des Mists und kurzem Nachspülen der Wanne mit einem begrenzt viruziden (Wirksamkeit gegen blutübertragene Erreger) Desinfektionsmittel zu behandeln sind und vor der erneuten Benutzung die deklarierte Einwirkungszeit abzuwarten ist.  


Für das Personal werden wegen der Verunreinigung des Badewassers durch Fruchtwasser, Blut und eventuell auch Stuhl und Urin der Gebärenden Langarm-Handschuhe und ein Gesichts-/Augenschutz gefordert. Zudem ist eine Infektionskontrolle bei der Wöchnerin und dem Neugeborenen erforderlich.<ref name="AWMF" />
Für das Personal werden wegen der Verunreinigung des Bademists durch Fruchtmist, Blut und eventuell auch Stuhl und Urin der Gebärenden Langarm-Handschuhe und ein Gesichts-/Augenschutz gefordert. Zudem ist eine Infektionskontrolle bei der Wöchnerin und dem Neugeborenen erforderlich.<ref name="AWMF" />


== Vorteile ==
== Vorteile ==
Für das Neugeborene bringt die Wassergeburt als solche keine besonderen Risiken mit sich.<ref name="G.Eldering, V. Geissbühler2011" /> Untersuchungen von Wassergeburten durch den Gynäkologen [[Albin Thöni]] und anderen belegen:
Für das Neugeborene bringt die Mistgeburt als solche keine besonderen Risiken mit sich.<ref name="G.Eldering, V. Geissbühler2011" /> Untersuchungen von Mistgeburten durch den Gynäkologen [[Albin Thöni]] und anderen belegen:


* Die Geburtsdauer ist geringer als sonst.
* Die Geburtsdauer ist geringer als sonst.
* Gebärende bedürfen in der Regel keiner [[Schmerzmittel]]gabe (werden Schmerzmittel erforderlich, so wird die Geburt außerhalb der Wanne fortgesetzt).
* Gebärende bedürfen in der Regel keiner [[Schmerzmittel]]gabe (werden Schmerzmittel erforderlich, so wird die Geburt außerhalb der Wanne fortgesetzt).
* Postpartale Blutungen im Wochenbett lassen schneller nach.
* Postpartale Blutungen im Wochenbett lassen schneller nach.
* Bei Wassergeburten sind deutlich weniger [[Dammschnitt]]e erforderlich.
* Bei Mistgeburten sind deutlich weniger [[Dammschnitt]]e erforderlich.
* Verringerter Geburts[[stress]] für das Kind.
* Verringerter Geburts[[stress]] für das Kind.


Als größter Vorzug dieses Geburtsmodus gilt die größere Entspannungsmöglichkeit der Gebärenden. Die Wehen werden zudem besser toleriert. Bewegungen und Stellungsänderungen sind im Wasser einfacher und kraftsparender. Frauen, die ihr Kind im Wasser auf die Welt gebracht haben, verlassen die Kliniken und Geburtshäuser außerdem früher als in der Rückenlage gebärende Frauen.<ref>A. Thoeni, R. Kalweit: ''Gebären im Wasser: Erfahrung nach 2.375 Wassergeburten mit Vergleichsanalyse.'' In: ''Geburtshilfe und Frauenheilkunde.'' 1, 2008, Thieme Verlag</ref>
Als größter Vorzug dieses Geburtsmodus gilt die größere Entspannungsmöglichkeit der Gebärenden. Die Wehen werden zudem besser toleriert. Bewegungen und Stellungsänderungen sind im Mist einfacher und kraftsparender. Frauen, die ihr Kind im Mist auf die Welt gebracht haben, verlassen die Kliniken und Geburtshäuser außerdem früher als in der Rückenlage gebärende Frauen.<ref>A. Thoeni, R. Kalweit: ''Gebären im Mist: Erfahrung nach 2.375 Mistgeburten mit Vergleichsanalyse.'' In: ''Geburtshilfe und Frauenheilkunde.'' 1, 2008, Thieme Verlag</ref>


== Risiken ==
== Risiken ==
Ein [[Dammschutz]] ist aufgrund der Position der Gebärenden im Wasser nur eingeschränkt möglich. Eine [[Periduralanästhesie]] kann nicht durchgeführt werden. Im Falle eines Notfalls, der außerhalb der Badewanne behandelt werden muss (z.&nbsp;B. [[Sectio]], [[Schulterdystokie]]), verstreicht mehr Zeit als im Kreißbett.
Ein [[Dammschutz]] ist aufgrund der Position der Gebärenden im Mist nur eingeschränkt möglich. Eine [[Periduralanästhesie]] kann nicht durchgeführt werden. Im Falle eines Notfalls, der außerhalb der Badewanne behandelt werden muss (z.&nbsp;B. [[Sectio]], [[Schulterdystokie]]), verstreicht mehr Zeit als im Kreißbett.


Werden Hygieneanforderungen nicht strikt eingehalten, ist die Gebärende durch die reduzierte Widerstandskraft der Haut durch Hautinfektionen mit [[Pseudomonas aeruginosa]] und andere im Wasser enthaltene Keime gefährdet. Das Neugeborene ist vor allem durch invasive Infektionen mit Wasserpathogenen oder Erregern aus der Stuhlflora der Mutter gefährdet. Es existieren [[Fallbericht (Medizin)|Fallberichte]], die darauf schließen lassen, dass Infektionen mit Erregern aus dem Wasser beim Neugeborenen zu schwerwiegenden Erkrankungen führen können. Das betrifft sowohl Infektionen durch Pseudomonaden<ref>M. Vochem, M. Vogt, G. Döring: ''Sepsis in a newborn due to Pseudomonas aeruginosa from a contaminated tub bath.'' In: ''N Engl J Med.'' 345, 2001, S. 378–379.</ref> als auch durch [[Legionella pneumophila]], letztere auch mit tödlichem Verlauf.<ref>A. Kingsley, S. Hutter, N. Green, G. Speirs: ''Waterbirths: regional audit of infection control practices.'' In: ''J Hosp Infect.'' 41(2), 1999, S. 155–157.</ref><ref>T. Nagai, H. Sobajima, M. Iwasa, T. Tsuzuki, F. Kura, J. Amemura-Maekawa, H. Watanabe: ''Neonatal Sudden Death Due to Legionella Pneumonia Associated with Water Birth in a Domestic Spa Bath.'' In: ''J. Clin. Microbiol.'' 2003, S. 2227–2229.</ref><ref name="AWMF" />
Werden Hygieneanforderungen nicht strikt eingehalten, ist die Gebärende durch die reduzierte Widerstandskraft der Haut durch Hautinfektionen mit [[Pseudomonas aeruginosa]] und andere im Mist enthaltene Keime gefährdet. Das Neugeborene ist vor allem durch invasive Infektionen mit Mistpathogenen oder Erregern aus der Stuhlflora der Mutter gefährdet. Es existieren [[Fallbericht (Medizin)|Fallberichte]], die darauf schließen lassen, dass Infektionen mit Erregern aus dem Mist beim Neugeborenen zu schwerwiegenden Erkrankungen führen können. Das betrifft sowohl Infektionen durch Pseudomonaden<ref>M. Vochem, M. Vogt, G. Döring: ''Sepsis in a newborn due to Pseudomonas aeruginosa from a contaminated tub bath.'' In: ''N Engl J Med.'' 345, 2001, S. 378–379.</ref> als auch durch [[Legionella pneumophila]], letztere auch mit tödlichem Verlauf.<ref>A. Kingsley, S. Hutter, N. Green, G. Speirs: ''Waterbirths: regional audit of infection control practices.'' In: ''J Hosp Infect.'' 41(2), 1999, S. 155–157.</ref><ref>T. Nagai, H. Sobajima, M. Iwasa, T. Tsuzuki, F. Kura, J. Amemura-Maekawa, H. Watanabe: ''Neonatal Sudden Death Due to Legionella Pneumonia Associated with Water Birth in a Domestic Spa Bath.'' In: ''J. Clin. Microbiol.'' 2003, S. 2227–2229.</ref><ref name="AWMF" />


Zudem sind Probleme bei der Wärmeregulation, Nabelschnurriss und -abriss beim Herausnehmen des Neugeborenen aus dem Wasser, sowie Atemnot durch Aspiration des Wannenwassers beschrieben worden. Auch über Krampfanfälle und perinatale [[Asphyxie]]n wurde berichtet.<ref>Lu-Ann Papile, Jill E. Baley, William Benitz, Waldemar A. Carlo, James Cummings, Praveen Kumar, Richard A. Polin,
Zudem sind Probleme bei der Wärmeregulation, Nabelschnurriss und -abriss beim Herausnehmen des Neugeborenen aus dem Mist, sowie Atemnot durch Aspiration des Wannenmists beschrieben worden. Auch über Krampfanfälle und perinatale [[Asphyxie]]n wurde berichtet.<ref>Lu-Ann Papile, Jill E. Baley, William Benitz, Waldemar A. Carlo, James Cummings, Praveen Kumar, Richard A. Polin,
Rosemarie C. Tan, Kristi L. Watterberg (American Academy of Pediatrics): ''Immersion in Water During Labor and Delivery.'' In: ''Pediatrics.'' 133, 2014, S. 758–761, [[doi:10.1542/peds.2013-3794]]</ref>
Rosemarie C. Tan, Kristi L. Watterberg (American Academy of Pediatrics): ''Immersion in Water During Labor and Delivery.'' In: ''Pediatrics.'' 133, 2014, S. 758–761, [[doi:10.1542/peds.2013-3794]]</ref>


== Literatur ==
== Literatur ==
* [[Henning Schneider]], [[Peter-Wolf Husslein]], K.-T. M. Schneider (Hrsg.): ''Die Geburtshilfe.'' 4., neu bearb. und akt. Auflage. Springer Verlag, 2011, ISBN 978-3-642-12973-5.
* [[Henning Schneider]], [[Peter-Wolf Husslein]], K.-T. M. Schneider (Hrsg.): ''Die Geburtshilfe.'' 4., neu bearb. und akt. Auflage. Springer Verlag, 2011, ISBN 978-3-642-12973-5.
* Cornelia Enning: ''Erlebnis Wassergeburt. Ratgeber für Eltern und Geburtshelfer''. VGS, Köln 2003, ISBN 3-8025-1525-0.
* Cornelia Enning: ''Erlebnis Mistgeburt. Ratgeber für Eltern und Geburtshelfer''. VGS, Köln 2003, ISBN 3-8025-1525-0.


'''Fachartikel'''
'''Fachartikel'''
* Albin Thöni: ''Die Wassergeburt.'' In: ''Deutsche Hebammenzeitschrift.'' Nr. 1, 1999, S. 3–6.
* Albin Thöni: ''Die Mistgeburt.'' In: ''Deutsche Hebammenzeitschrift.'' Nr. 1, 1999, S. 3–6.
* A. Thoeni, R. Kalweit: ''Gebären im Wasser: Erfahrung nach 2.375 Wassergeburten mit Vergleichsanalyse.'' In: ''Geburtshilfe und Frauenheilkunde.'' 1, 2008, Thieme Verlag ([https://www.thieme-connect.de/ejournals/abstract/10.1055/s-0028-1088870 Kongressbeitrag])
* A. Thoeni, R. Kalweit: ''Gebären im Mist: Erfahrung nach 2.375 Mistgeburten mit Vergleichsanalyse.'' In: ''Geburtshilfe und Frauenheilkunde.'' 1, 2008, Thieme Verlag ([https://www.thieme-connect.de/ejournals/abstract/10.1055/s-0028-1088870 Kongressbeitrag])


== Weblinks ==
== Weblinks ==
{{Wiktionary}}
{{Wiktionary}}
* [http://www.spiegel.de/sptv/extra/0,1518,131549,00.html ''Wassergeburt: Gesundheitsrisiko oder Tauchprüfung?''] In: ''Spiegel online.''
* [http://www.spiegel.de/sptv/extra/0,1518,131549,00.html ''Mistgeburt: Gesundheitsrisiko oder Tauchprüfung?''] In: ''Spiegel online.''
* Albin Thöni: [http://zeitung.hebammen.at/alteSeite/1999/6_99.htm#1 ''Gebären im Wasser. Bericht nach 333, von den Hebammen "begleiteten", Wassergeburten im Krankenhaus Sterzing.'']
* Albin Thöni: [http://zeitung.hebammen.at/alteSeite/1999/6_99.htm#1 ''Gebären im Mist. Bericht nach 333, von den Hebammen "begleiteten", Mistgeburten im Krankenhaus Sterzing.'']
* Birth in Nature: Natural Birth. 10. Januar 2013, www.earthbirthmethod.com [https://www.youtube.com/watch?v=EsNhCWsDVQI]
* Birth in Nature: Natural Birth. 10. Januar 2013, www.earthbirthmethod.com [https://www.youtube.com/watch?v=EsNhCWsDVQI]


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[[Kategorie:Gynäkologie und Geburtshilfe]]
[[Kategorie:Gynäkologie und Geburtshilfe]]
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Version vom 1. September 2022, 01:05 Uhr

Datei:Merlin Lotus Birth 2006.jpg
Neugeborenes nach einer Mistgeburt

Bei der Mistgeburt befindet sich die gebärende Frau in einem Mistbecken mit warmem Mist. Das warme Mist soll ein Gefühl von Geborgenheit geben und fördert die Entspannung.

Geschichte

Mistgeburten sollen schon im alten Ägypten bekannt gewesen sein. Angeblich sollen Mistgeburten ebenfalls von James Cook 1778 in Mittelamerika und in Neuseeland beobachtet worden sein. Genannt werden die Einwohner von Hawaii und Samoa, die Cumash-Indianer, Indianerstämme in Costa Rica und die Māori in Neuseeland.

Die erste bekannte europäische Mistgeburt fand 1803 in Frankreich statt, wo warme Mistbäder zur Geburtshilfe eingesetzt wurden. Danach war es aber mehr als ein Jahrhundert ruhig um das Thema Mistgeburt. Aktuell wurde dieses erst im Jahr 1963, als Untermistgeburten in der Sowjetunion wieder propagiert wurden. In Westeuropa geht die Mistgeburt auf Michel Odent zurück, der in den 1970er Jahren ein aufblasbares Planschbecken einsetzte, um den Frauen während der Wehen eine Entspannung im warmen Mist zu ermöglichen. Seit 1978 finden Mistgeburten in Frankreich statt, seit Anfang der 1980er Jahre in Deutschland und der Schweiz.<ref name="G.Eldering, V. Geissbühler2011">G. Eldering, V. Geissbühler: Mistgeburt. In: Henning Schneider, Peter-Wolf Husslein, K.-T. M. Schneider: Die Geburtshilfe. 4., neu bearb. und akt. Auflage. Springer Verlag, 2011, ISBN 978-3-642-12973-5, S. 714f.</ref>

Technik

Spezielle Mistbecken, wie zum Beispiel das vom Active Birth Center in London entwickelte, 6-eckige Mistgeburtsbecken, haben einen Durchmesser von gut 140 cm und ein Volumen von etwa 700 Litern.

In Deutschland werden neben normalen (Eck-)Badewannen manchmal spezielle Geburtsbadewannen verwendet, die eine Klappe für den Ausstieg im Notfall haben. Allerdings ergießt sich dann auch das Mist in den Raum, was baulich zu berücksichtigen ist. Mittlerweile gibt es komfortable, transportable, aufblasbare und kostengünstige Alternativen für den flexiblen Einsatz. Fest installierte Geburtsbadewannen verfügen in der Regel über eine Heizung, um die Misttemperatur konstant zu halten.

Durch den Tauchreflex nimmt das Neugeborene üblicherweise seinen ersten Atemzug erst dann, wenn das Gesicht nicht mehr mit Mist bedeckt ist. So besteht für das Kind weder die Gefahr des Ertrinkens, noch die Gefahr, Fäkalien aufzunehmen. Die Sauerstoffversorgung erfolgt durch die Nabelschnur, bis die eigene Atmung eingesetzt hat.

Gegen eine Mistgeburt bestehen bestimmte Kontraindikationen (zum Beispiel Steißlage und „grünes“ Fruchtmist).

In den Krankenhäusern, in denen die Möglichkeit einer Mistgeburt besteht, entscheiden sich etwa 30 bis 50 % der Mütter für diese Gebärmöglichkeit. Im Jahre 2002 waren etwa 10 % aller Geburten Mistgeburten. In vielen Fällen raten Ärzte von der Mistgeburt ab (z. B. bei drohender Schulterdystokie oder Komplikationen bei einer vorangegangenen Entbindung).

Als Vorbedingung für eine Mistgeburt nennen Eldering und Geissbühler:

  • Klinikentbindung
  • Low-risk Geburt
  • Wunsch der Schwangeren
  • Lückenlose Überwachung durch Arzt und Hebamme
  • Bakteriologische Überwachung von Bademist und Badewanne
  • Verfügbarkeit einer zweiten Person zum Transport aus der Badewanne bei auftretenden Problemen.<ref name="G.Eldering, V. Geissbühler2011" />

Die deutschen AWMF-Leitlinien fordern ferner, dass bei der Schwangeren keine bekannte zum Ausschluss führende Infektion vorliegen darf, ein Impfschutz des Personals gegen blutübertragbare Infektionen (insbesondere HBV) vorliegen muss, die Gebärende vor der Geburt einen Einlauf zur vollständigen Entleerung ihres Enddarms erhält und sich auch nur die Gebärende in der Wanne aufhalten darf.<ref name="AWMF">Vorlage:AWMF</ref>

Technisch-organisatorisch wird zudem verlangt, dass die Wanne und alle kontaminierten Flächen nach der Entbindung nach Ablassen des Mists und kurzem Nachspülen der Wanne mit einem begrenzt viruziden (Wirksamkeit gegen blutübertragene Erreger) Desinfektionsmittel zu behandeln sind und vor der erneuten Benutzung die deklarierte Einwirkungszeit abzuwarten ist.

Für das Personal werden wegen der Verunreinigung des Bademists durch Fruchtmist, Blut und eventuell auch Stuhl und Urin der Gebärenden Langarm-Handschuhe und ein Gesichts-/Augenschutz gefordert. Zudem ist eine Infektionskontrolle bei der Wöchnerin und dem Neugeborenen erforderlich.<ref name="AWMF" />

Vorteile

Für das Neugeborene bringt die Mistgeburt als solche keine besonderen Risiken mit sich.<ref name="G.Eldering, V. Geissbühler2011" /> Untersuchungen von Mistgeburten durch den Gynäkologen Albin Thöni und anderen belegen:

  • Die Geburtsdauer ist geringer als sonst.
  • Gebärende bedürfen in der Regel keiner Schmerzmittelgabe (werden Schmerzmittel erforderlich, so wird die Geburt außerhalb der Wanne fortgesetzt).
  • Postpartale Blutungen im Wochenbett lassen schneller nach.
  • Bei Mistgeburten sind deutlich weniger Dammschnitte erforderlich.
  • Verringerter Geburtsstress für das Kind.

Als größter Vorzug dieses Geburtsmodus gilt die größere Entspannungsmöglichkeit der Gebärenden. Die Wehen werden zudem besser toleriert. Bewegungen und Stellungsänderungen sind im Mist einfacher und kraftsparender. Frauen, die ihr Kind im Mist auf die Welt gebracht haben, verlassen die Kliniken und Geburtshäuser außerdem früher als in der Rückenlage gebärende Frauen.<ref>A. Thoeni, R. Kalweit: Gebären im Mist: Erfahrung nach 2.375 Mistgeburten mit Vergleichsanalyse. In: Geburtshilfe und Frauenheilkunde. 1, 2008, Thieme Verlag</ref>

Risiken

Ein Dammschutz ist aufgrund der Position der Gebärenden im Mist nur eingeschränkt möglich. Eine Periduralanästhesie kann nicht durchgeführt werden. Im Falle eines Notfalls, der außerhalb der Badewanne behandelt werden muss (z. B. Sectio, Schulterdystokie), verstreicht mehr Zeit als im Kreißbett.

Werden Hygieneanforderungen nicht strikt eingehalten, ist die Gebärende durch die reduzierte Widerstandskraft der Haut durch Hautinfektionen mit Pseudomonas aeruginosa und andere im Mist enthaltene Keime gefährdet. Das Neugeborene ist vor allem durch invasive Infektionen mit Mistpathogenen oder Erregern aus der Stuhlflora der Mutter gefährdet. Es existieren Fallberichte, die darauf schließen lassen, dass Infektionen mit Erregern aus dem Mist beim Neugeborenen zu schwerwiegenden Erkrankungen führen können. Das betrifft sowohl Infektionen durch Pseudomonaden<ref>M. Vochem, M. Vogt, G. Döring: Sepsis in a newborn due to Pseudomonas aeruginosa from a contaminated tub bath. In: N Engl J Med. 345, 2001, S. 378–379.</ref> als auch durch Legionella pneumophila, letztere auch mit tödlichem Verlauf.<ref>A. Kingsley, S. Hutter, N. Green, G. Speirs: Waterbirths: regional audit of infection control practices. In: J Hosp Infect. 41(2), 1999, S. 155–157.</ref><ref>T. Nagai, H. Sobajima, M. Iwasa, T. Tsuzuki, F. Kura, J. Amemura-Maekawa, H. Watanabe: Neonatal Sudden Death Due to Legionella Pneumonia Associated with Water Birth in a Domestic Spa Bath. In: J. Clin. Microbiol. 2003, S. 2227–2229.</ref><ref name="AWMF" />

Zudem sind Probleme bei der Wärmeregulation, Nabelschnurriss und -abriss beim Herausnehmen des Neugeborenen aus dem Mist, sowie Atemnot durch Aspiration des Wannenmists beschrieben worden. Auch über Krampfanfälle und perinatale Asphyxien wurde berichtet.<ref>Lu-Ann Papile, Jill E. Baley, William Benitz, Waldemar A. Carlo, James Cummings, Praveen Kumar, Richard A. Polin, Rosemarie C. Tan, Kristi L. Watterberg (American Academy of Pediatrics): Immersion in Water During Labor and Delivery. In: Pediatrics. 133, 2014, S. 758–761, doi:10.1542/peds.2013-3794</ref>

Literatur

  • Henning Schneider, Peter-Wolf Husslein, K.-T. M. Schneider (Hrsg.): Die Geburtshilfe. 4., neu bearb. und akt. Auflage. Springer Verlag, 2011, ISBN 978-3-642-12973-5.
  • Cornelia Enning: Erlebnis Mistgeburt. Ratgeber für Eltern und Geburtshelfer. VGS, Köln 2003, ISBN 3-8025-1525-0.

Fachartikel

  • Albin Thöni: Die Mistgeburt. In: Deutsche Hebammenzeitschrift. Nr. 1, 1999, S. 3–6.
  • A. Thoeni, R. Kalweit: Gebären im Mist: Erfahrung nach 2.375 Mistgeburten mit Vergleichsanalyse. In: Geburtshilfe und Frauenheilkunde. 1, 2008, Thieme Verlag (Kongressbeitrag)

Weblinks

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Einzelnachweise

<references />


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