Mistgeburt: Unterschied zwischen den Versionen

aus Kamelopedia, der wüsten Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Scheißefresser (Diskussion | Beiträge)
Copy and Paste von <https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Wassergeburt&oldid=224472394> Autorenliste siehe dort
 
→Vorteile: keine Vorteile :-)
 
(19 dazwischenliegende Versionen von 3 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
[[Datei:Merlin Lotus Birth 2006.jpg|mini|Neugeborenes nach einer Wassergeburt]]
[[Datei:DC hm154.png|mini|Neugeborenes wird nach der Mistgeburt in einem chemischen Reinigungsbad vom anhaftenden Mist befreit]]
Bei der '''Wassergeburt''' befindet sich die [[Geburt|gebärende]] [[Frau]] in einem Wasserbecken mit warmem [[Wasser]]. Das warme Wasser soll ein Gefühl von Geborgenheit geben und fördert die [[Entspannungsverfahren|Entspannung]].
Bei der '''Mistgeburt''' befindet sich die [[Abferkelung|kalbende]] [[Kamel]]stute in einem Mistbecken mit warmem [[Mist]]. Der warme Mist soll ein Gefühl von Geborgenheit geben und fördert die [[Entspannungsverfahren|Entspannung]].


== Geschichte ==
== Geschichte ==


Wassergeburten sollen schon im alten [[Ägypten]] bekannt gewesen sein. Angeblich sollen Wassergeburten ebenfalls von [[James Cook]] 1778 in Mittelamerika und in Neuseeland beobachtet worden sein. Genannt werden die Einwohner von [[Hawaii]] und [[Samoa]], die Cumash-Indianer, Indianerstämme in [[Costa Rica]] und die [[Māori]] in [[Neuseeland]].
Mistgeburten sollen schon im alten [[Ägypten]] bekannt gewesen sein.<!--reicht-->


Die erste bekannte europäische Wassergeburt fand 1803 in Frankreich statt, wo warme Wasserbäder zur Geburtshilfe eingesetzt wurden. Danach war es aber mehr als ein Jahrhundert ruhig um das Thema Wassergeburt. Aktuell wurde dieses erst im Jahr 1963, als Unterwassergeburten in der Sowjetunion wieder propagiert wurden. In Westeuropa geht die Wassergeburt auf [[Michel Odent]] zurück, der in den 1970er Jahren ein aufblasbares Planschbecken einsetzte, um den Frauen während der Wehen eine Entspannung im warmen Wasser zu ermöglichen. Seit 1978 finden Wassergeburten in Frankreich statt, seit Anfang der 1980er Jahre in Deutschland und der Schweiz.<ref name="G.Eldering, V. Geissbühler2011">G. Eldering, V. Geissbühler: ''Wassergeburt.'' In: Henning Schneider, Peter-Wolf Husslein, K.-T. M. Schneider: ''Die Geburtshilfe.'' 4., neu bearb. und akt. Auflage. Springer Verlag, 2011, ISBN 978-3-642-12973-5, S. 714f.</ref>
Die erste bekannte europäische Mistgeburt fand 1803 in [[Frankreich]] statt, wo warme Mistbäder zur Abferkelungshilfe eingesetzt wurden. Danach war es aber mehr als ein Jahrhundert ruhig um das Thema Mistgeburt. Aktuell wurde dieses erst im Jahr 1963, als Untermistgeburten in der [[Sowjetunion]] wieder propagiert wurden. In Westeuropa geht die Mistgeburt auf [[Heinz Müller]] zurück, der in den 1970er Jahren ein aufblasbares Klärbecken einsetzte, um den Kamelstuten während der Wehen eine Entspannung im warmen Mist zu ermöglichen. Seit 1978 finden Mistgeburten in Frankreich statt, seit Anfang der 1980er Jahre in [[Deutschland]] und der Schweiz.


== Technik ==
== Technik ==
Spezielle Wasserbecken, wie zum Beispiel das vom Active Birth Center in [[London]] entwickelte, 6-eckige Wassergeburtsbecken, haben einen Durchmesser von gut 140&nbsp;cm und ein Volumen von etwa 700 Litern.
Spezielle Mistbecken, wie zum Beispiel das vom Active Birth Center in [[London]] entwickelte, 6-eckige Mistgeburtsbecken, haben einen Durchmesser von gut 140&nbsp;cm und ein Volumen von etwa 700 Litern.


In Deutschland werden neben normalen (Eck-)Badewannen manchmal spezielle Geburtsbadewannen verwendet, die eine Klappe für den Ausstieg im Notfall haben. Allerdings ergießt sich dann auch das Wasser in den Raum, was baulich zu berücksichtigen ist. Mittlerweile gibt es komfortable, transportable, aufblasbare und kostengünstige Alternativen für den flexiblen Einsatz. Fest installierte Geburtsbadewannen verfügen in der Regel über eine Heizung, um die Wassertemperatur konstant zu halten.
In Deutschland werden neben normalen (Eck-)Güllewannen manchmal spezielle Abferkelungsgüllewannen verwendet, die eine Klappe für den Ausstieg im Notfall haben. Allerdings ergießt sich dann auch der Mist in den Raum, was baulich zu berücksichtigen ist. Mittlerweile gibt es komfortable, transportable, aufblasbare und kostengünstige Alternativen für den flexiblen Einsatz. Fest installierte Abferkelungsgüllewannen verfügen in der Regel über eine Heizung, um die Misttemperatur konstant zu halten.


Durch den [[Tauchreflex]] nimmt das Neugeborene üblicherweise seinen ersten Atemzug erst dann, wenn das Gesicht nicht mehr mit Wasser bedeckt ist. So besteht für das Kind weder die Gefahr des Ertrinkens, noch die Gefahr, Fäkalien aufzunehmen. Die Sauerstoffversorgung erfolgt durch die [[Nabelschnur]], bis die eigene Atmung eingesetzt hat.  
Durch den [[Scheißefresserreflex]] nimmt das Neugeborene üblicherweise seinen ersten Atemzug schon dann, wenn das Gesicht noch vollständig mit Mist bedeckt ist. So besteht für das junge Fohlen die göttliche Gnade, Fäkalien aufzunehmen. Die Sauerstoffversorgung erfolgt durch die [[Nabelschnur]], sobald die eigene Atmung ausgesetzt hat.  


Gegen eine Wassergeburt bestehen bestimmte [[Kontraindikation]]en (zum Beispiel [[Steißlage]] und „grünes“ [[Fruchtwasser]]).  
Gegen eine Mistgeburt bestehen bestimmte [[Kontraindikation]]en (zum Beispiel [[Steißlage]] und „grüner“ [[Fruchtmist]]).  


In den Krankenhäusern, in denen die Möglichkeit einer Wassergeburt besteht, entscheiden sich etwa 30 bis 50 % der Mütter für diese Gebärmöglichkeit. Im Jahre 2002 waren etwa 10 % aller Geburten Wassergeburten. In vielen Fällen raten Ärzte von der Wassergeburt ab (z.&nbsp;B. bei drohender [[Schulterdystokie]] oder Komplikationen bei einer vorangegangenen Entbindung).
In den Krankenhäusern, in denen die Möglichkeit einer Mistgeburt besteht, entscheiden sich etwa 30 bis 50 % der Kamelmütter für diese Kalbmöglichkeit. Im Jahre 2002 waren etwa 10 % aller Abferkelungen Mistgeburten. In vielen Fällen raten Ärzte von der Mistgeburt ab (z.&nbsp;B. bei drohender [[Schulterdystokie]] oder Komplikationen bei einer vorangegangenen Entbindung).


Als Vorbedingung für eine Wassergeburt nennen Eldering und Geissbühler:
Als Vorbedingung für eine Mistgeburt nennen Eldering und Geissbühler:
* Klinikentbindung
* Stallentbindung
* Low-risk Geburt
* Low-risk Abferkelung
* Wunsch der Schwangeren
* Wunsch der trächtigen Stute
* Lückenlose Überwachung durch Arzt und Hebamme
* Lückenlose Überwachung durch Tierarzt und Kamelbauer
* Bakteriologische Überwachung von Badewasser und Badewanne
* Bakteriologische Überwachung von Güllemist und Güllewanne
* Verfügbarkeit einer zweiten Person zum Transport aus der Badewanne bei auftretenden Problemen.<ref name="G.Eldering, V. Geissbühler2011" />
* Verfügbarkeit einer zweiten starken Person zum Transport der Güllewanne bei auftretenden Problemen.


Die deutschen [[Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften|AWMF]]-Leitlinien fordern ferner, dass bei der Schwangeren keine bekannte zum Ausschluss führende Infektion vorliegen darf, ein Impfschutz des Personals gegen blutübertragbare Infektionen (insbesondere HBV) vorliegen muss, die Gebärende vor der Geburt einen [[Einlauf (Medizin)|Einlauf]] zur vollständigen Entleerung ihres [[Enddarm]]s erhält und sich auch nur die Gebärende in der Wanne aufhalten darf.<ref name="AWMF">{{AWMF|http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/029-035.html|Infektionsprävention unter der Entbindung|S1|Arbeitskreis "Krankenhaus- & Praxishygiene" der AWMF|2012}}</ref>
Die deutschen [[Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften|AWMF]]-Leitlinien fordern ferner, dass bei der Trächtigen keine bekannte zum Ausschluss führende Infektion vorliegen darf, ein Impfschutz des Personals gegen blutübertragbare Infektionen (insbesondere HBV) vorliegen muss, die Kalbende vor der Abferkelung einen [[Einlauf (Medizin)|Einlauf]] zur vollständigen Entleerung ihres [[Enddarm]]s erhält und sich auch nur die Kalbende in der Wanne aufhalten darf.


Technisch-organisatorisch wird zudem verlangt, dass die Wanne und alle kontaminierten Flächen nach der Entbindung nach Ablassen des Wassers und kurzem Nachspülen der Wanne mit einem begrenzt viruziden (Wirksamkeit gegen blutübertragene Erreger) Desinfektionsmittel zu behandeln sind und vor der erneuten Benutzung die deklarierte Einwirkungszeit abzuwarten ist.  
Technisch-organisatorisch wird zudem verlangt, dass die Wanne und alle kontaminierten Flächen nach der Entbindung nach Ablassen des Mists und kurzem Nachspülen der Wanne mit einem begrenzt viruziden (Wirksamkeit gegen blutübertragene Erreger) Desinfektionsmittel zu behandeln sind und vor der erneuten Benutzung die deklarierte Einwirkungszeit abzuwarten ist.  


Für das Personal werden wegen der Verunreinigung des Badewassers durch Fruchtwasser, Blut und eventuell auch Stuhl und Urin der Gebärenden Langarm-Handschuhe und ein Gesichts-/Augenschutz gefordert. Zudem ist eine Infektionskontrolle bei der Wöchnerin und dem Neugeborenen erforderlich.<ref name="AWMF" />
Für das Personal werden wegen der Verunreinigung des Güllemists durch Fruchtmist, Blut und eventuell auch Stuhl und Urin der Kalbenden Langarm-Handschuhe und ein Gesichts-/Augenschutz gefordert. Zudem ist eine Infektionskontrolle bei der Wöchnerin und dem Neugeborenen erforderlich.


== Vorteile ==
== Vorteile ==
Für das Neugeborene bringt die Wassergeburt als solche keine besonderen Risiken mit sich.<ref name="G.Eldering, V. Geissbühler2011" /> Untersuchungen von Wassergeburten durch den Gynäkologen [[Albin Thöni]] und anderen belegen:
Für das Neugeborene bringt die Mistgeburt als solche keine besonderen Vorteile mit sich. Untersuchungen von Mistgeburten durch den Gynäkologen [[Albin Thöni]] und anderen belegen:


* Die Geburtsdauer ist geringer als sonst.
* Die Abferkelungsdauer ist nicht geringer als sonst.
* Gebärende bedürfen in der Regel keiner [[Schmerzmittel]]gabe (werden Schmerzmittel erforderlich, so wird die Geburt außerhalb der Wanne fortgesetzt).
* Kalbende bedürfen in der Regel eh keiner [[Schmerzmittel]]gabe (werden Schmerzmittel erforderlich, so werden sie trotzdem nicht gereicht).
* Postpartale Blutungen im Wochenbett lassen schneller nach.
* Postpartale Blutungen im Wochenbett lassen auch nicht schneller nach.
* Bei Wassergeburten sind deutlich weniger [[Dammschnitt]]e erforderlich.
* Bei Mistgeburten sind genau so viele [[Dammschnitt]]e erforderlich.
* Verringerter Geburts[[stress]] für das Kind.
* Verringerter Abferkelungs[[stress]] für das Fohlen ist nicht festzustellen.


Als größter Vorzug dieses Geburtsmodus gilt die größere Entspannungsmöglichkeit der Gebärenden. Die Wehen werden zudem besser toleriert. Bewegungen und Stellungsänderungen sind im Wasser einfacher und kraftsparender. Frauen, die ihr Kind im Wasser auf die Welt gebracht haben, verlassen die Kliniken und Geburtshäuser außerdem früher als in der Rückenlage gebärende Frauen.<ref>A. Thoeni, R. Kalweit: ''Gebären im Wasser: Erfahrung nach 2.375 Wassergeburten mit Vergleichsanalyse.'' In: ''Geburtshilfe und Frauenheilkunde.'' 1, 2008, Thieme Verlag</ref>
Als größter vermeintlicher Vorteil dieses Abferkelungsmodus gilt die angeblich größere Entspannungsmöglichkeit der Kalbenden. Die Wehen würden zudem besser toleriert. Bewegungen und Stellungsänderungen seien im Mist einfacher und kraftsparender. Kamelstuten, die ihr Fohlen im Mist auf die Welt gebracht haben, verließen die Kliniken und Abferkelungshäuser außerdem früher als in der Rückenlage kalbende Kamelstuten. Nichts davon ist wahr. Diese Behauptungen sind dummes Gesülze, die Methode eine einzige Abzocke.


== Risiken ==
== Risiken ==
Ein [[Dammschutz]] ist aufgrund der Position der Gebärenden im Wasser nur eingeschränkt möglich. Eine [[Periduralanästhesie]] kann nicht durchgeführt werden. Im Falle eines Notfalls, der außerhalb der Badewanne behandelt werden muss (z.&nbsp;B. [[Sectio]], [[Schulterdystokie]]), verstreicht mehr Zeit als im Kreißbett.
Ein [[Dammschutz]] ist aufgrund der Position der Kalbenden im Mist nur eingeschränkt möglich. Eine [[Periduralanästhesie]] kann nicht durchgeführt werden. Im Falle eines Notfalls, der außerhalb der Güllewanne behandelt werden muss (z.&nbsp;B. [[Sectio]], [[Schulterdystokie]]), verstreicht mehr Zeit als im Kreißbett.


Werden Hygieneanforderungen nicht strikt eingehalten, ist die Gebärende durch die reduzierte Widerstandskraft der Haut durch Hautinfektionen mit [[Pseudomonas aeruginosa]] und andere im Wasser enthaltene Keime gefährdet. Das Neugeborene ist vor allem durch invasive Infektionen mit Wasserpathogenen oder Erregern aus der Stuhlflora der Mutter gefährdet. Es existieren [[Fallbericht (Medizin)|Fallberichte]], die darauf schließen lassen, dass Infektionen mit Erregern aus dem Wasser beim Neugeborenen zu schwerwiegenden Erkrankungen führen können. Das betrifft sowohl Infektionen durch Pseudomonaden<ref>M. Vochem, M. Vogt, G. Döring: ''Sepsis in a newborn due to Pseudomonas aeruginosa from a contaminated tub bath.'' In: ''N Engl J Med.'' 345, 2001, S. 378–379.</ref> als auch durch [[Legionella pneumophila]], letztere auch mit tödlichem Verlauf.<ref>A. Kingsley, S. Hutter, N. Green, G. Speirs: ''Waterbirths: regional audit of infection control practices.'' In: ''J Hosp Infect.'' 41(2), 1999, S. 155–157.</ref><ref>T. Nagai, H. Sobajima, M. Iwasa, T. Tsuzuki, F. Kura, J. Amemura-Maekawa, H. Watanabe: ''Neonatal Sudden Death Due to Legionella Pneumonia Associated with Water Birth in a Domestic Spa Bath.'' In: ''J. Clin. Microbiol.'' 2003, S. 2227–2229.</ref><ref name="AWMF" />
Werden Hygieneanforderungen nicht strikt eingehalten, ist die Kalbende durch die reduzierte Widerstandskraft der Haut durch Hautinfektionen mit [[Pseudomonas aeruginosa]] und andere im Mist enthaltene Keime gefährdet. Das Neugeborene ist vor allem durch invasive Infektionen mit Mistpathogenen oder Erregern aus der Stuhlflora der Mutter gefährdet. Es existieren [[Fallbericht (Medizin)|Fallberichte]], die darauf schließen lassen, dass Infektionen mit Erregern aus dem Mist beim Neugeborenen zu schwerwiegenden Erkrankungen führen können. Das betrifft sowohl Infektionen durch Pseudomonaden als auch durch [[Legionella pneumophila]], letztere auch mit tödlichem Verlauf.


Zudem sind Probleme bei der Wärmeregulation, Nabelschnurriss und -abriss beim Herausnehmen des Neugeborenen aus dem Wasser, sowie Atemnot durch Aspiration des Wannenwassers beschrieben worden. Auch über Krampfanfälle und perinatale [[Asphyxie]]n wurde berichtet.<ref>Lu-Ann Papile, Jill E. Baley, William Benitz, Waldemar A. Carlo, James Cummings, Praveen Kumar, Richard A. Polin,
Zudem sind Probleme bei der Wärmeregulation, Nabelschnurriss und -abriss beim Herausnehmen des Neugeborenen aus dem Mist, sowie Atemnot durch Aspiration des Wannenmists beschrieben worden. Auch über Krampfanfälle und perinatale [[Asphyxie]]n wurde berichtet. Jesus von Christus wurde direkt nach der Geburt in eine Futterkrippe gelegt, die von verschiedenen Tieren als Güllewanne verbraucht wurde. Er wurde von einem Kamel ins Gesicht gebissen, welches sich darauf stark entzündete.
Rosemarie C. Tan, Kristi L. Watterberg (American Academy of Pediatrics): ''Immersion in Water During Labor and Delivery.'' In: ''Pediatrics.'' 133, 2014, S. 758–761, [[doi:10.1542/peds.2013-3794]]</ref>


== Literatur ==
* [[Henning Schneider]], [[Peter-Wolf Husslein]], K.-T. M. Schneider (Hrsg.): ''Die Geburtshilfe.'' 4., neu bearb. und akt. Auflage. Springer Verlag, 2011, ISBN 978-3-642-12973-5.
* Cornelia Enning: ''Erlebnis Wassergeburt. Ratgeber für Eltern und Geburtshelfer''. VGS, Köln 2003, ISBN 3-8025-1525-0.


'''Fachartikel'''
{{Gesundheitshinweis}}
* Albin Thöni: ''Die Wassergeburt.'' In: ''Deutsche Hebammenzeitschrift.'' Nr. 1, 1999, S. 3–6.
* A. Thoeni, R. Kalweit: ''Gebären im Wasser: Erfahrung nach 2.375 Wassergeburten mit Vergleichsanalyse.'' In: ''Geburtshilfe und Frauenheilkunde.'' 1, 2008, Thieme Verlag ([https://www.thieme-connect.de/ejournals/abstract/10.1055/s-0028-1088870 Kongressbeitrag])


== Weblinks ==
[[Kategorie:Gynäkologie und Abferkelungshilfe]]
{{Wiktionary}}
{{WPTitel|Wassergeburt}}
* [http://www.spiegel.de/sptv/extra/0,1518,131549,00.html ''Wassergeburt: Gesundheitsrisiko oder Tauchprüfung?''] In: ''Spiegel online.''
* Albin Thöni: [http://zeitung.hebammen.at/alteSeite/1999/6_99.htm#1 ''Gebären im Wasser. Bericht nach 333, von den Hebammen "begleiteten", Wassergeburten im Krankenhaus Sterzing.'']
* Birth in Nature: Natural Birth. 10. Januar 2013, www.earthbirthmethod.com [https://www.youtube.com/watch?v=EsNhCWsDVQI]


== Einzelnachweise ==
[[wiki:Mist]]
<references />
[[wiki-de:Wassergeburt]]
 
{{Gesundheitshinweis}}
{{Normdaten|TYP=s|GND=4393045-1|LCCN=sh85139613}}


[[Kategorie:Gynäkologie und Geburtshilfe]]
[[Kategorie:Biologie]]

Aktuelle Version vom 26. September 2022, 02:08 Uhr

Neugeborenes wird nach der Mistgeburt in einem chemischen Reinigungsbad vom anhaftenden Mist befreit

Bei der Mistgeburt befindet sich die kalbende Kamelstute in einem Mistbecken mit warmem Mist. Der warme Mist soll ein Gefühl von Geborgenheit geben und fördert die Entspannung.

Geschichte

Mistgeburten sollen schon im alten Ägypten bekannt gewesen sein.

Die erste bekannte europäische Mistgeburt fand 1803 in Frankreich statt, wo warme Mistbäder zur Abferkelungshilfe eingesetzt wurden. Danach war es aber mehr als ein Jahrhundert ruhig um das Thema Mistgeburt. Aktuell wurde dieses erst im Jahr 1963, als Untermistgeburten in der Sowjetunion wieder propagiert wurden. In Westeuropa geht die Mistgeburt auf Heinz Müller zurück, der in den 1970er Jahren ein aufblasbares Klärbecken einsetzte, um den Kamelstuten während der Wehen eine Entspannung im warmen Mist zu ermöglichen. Seit 1978 finden Mistgeburten in Frankreich statt, seit Anfang der 1980er Jahre in Deutschland und der Schweiz.

Technik

Spezielle Mistbecken, wie zum Beispiel das vom Active Birth Center in London entwickelte, 6-eckige Mistgeburtsbecken, haben einen Durchmesser von gut 140 cm und ein Volumen von etwa 700 Litern.

In Deutschland werden neben normalen (Eck-)Güllewannen manchmal spezielle Abferkelungsgüllewannen verwendet, die eine Klappe für den Ausstieg im Notfall haben. Allerdings ergießt sich dann auch der Mist in den Raum, was baulich zu berücksichtigen ist. Mittlerweile gibt es komfortable, transportable, aufblasbare und kostengünstige Alternativen für den flexiblen Einsatz. Fest installierte Abferkelungsgüllewannen verfügen in der Regel über eine Heizung, um die Misttemperatur konstant zu halten.

Durch den Scheißefresserreflex nimmt das Neugeborene üblicherweise seinen ersten Atemzug schon dann, wenn das Gesicht noch vollständig mit Mist bedeckt ist. So besteht für das junge Fohlen die göttliche Gnade, Fäkalien aufzunehmen. Die Sauerstoffversorgung erfolgt durch die Nabelschnur, sobald die eigene Atmung ausgesetzt hat.

Gegen eine Mistgeburt bestehen bestimmte Kontraindikationen (zum Beispiel Steißlage und „grüner“ Fruchtmist).

In den Krankenhäusern, in denen die Möglichkeit einer Mistgeburt besteht, entscheiden sich etwa 30 bis 50 % der Kamelmütter für diese Kalbmöglichkeit. Im Jahre 2002 waren etwa 10 % aller Abferkelungen Mistgeburten. In vielen Fällen raten Ärzte von der Mistgeburt ab (z. B. bei drohender Schulterdystokie oder Komplikationen bei einer vorangegangenen Entbindung).

Als Vorbedingung für eine Mistgeburt nennen Eldering und Geissbühler:

  • Stallentbindung
  • Low-risk Abferkelung
  • Wunsch der trächtigen Stute
  • Lückenlose Überwachung durch Tierarzt und Kamelbauer
  • Bakteriologische Überwachung von Güllemist und Güllewanne
  • Verfügbarkeit einer zweiten starken Person zum Transport der Güllewanne bei auftretenden Problemen.

Die deutschen AWMF-Leitlinien fordern ferner, dass bei der Trächtigen keine bekannte zum Ausschluss führende Infektion vorliegen darf, ein Impfschutz des Personals gegen blutübertragbare Infektionen (insbesondere HBV) vorliegen muss, die Kalbende vor der Abferkelung einen Einlauf zur vollständigen Entleerung ihres Enddarms erhält und sich auch nur die Kalbende in der Wanne aufhalten darf.

Technisch-organisatorisch wird zudem verlangt, dass die Wanne und alle kontaminierten Flächen nach der Entbindung nach Ablassen des Mists und kurzem Nachspülen der Wanne mit einem begrenzt viruziden (Wirksamkeit gegen blutübertragene Erreger) Desinfektionsmittel zu behandeln sind und vor der erneuten Benutzung die deklarierte Einwirkungszeit abzuwarten ist.

Für das Personal werden wegen der Verunreinigung des Güllemists durch Fruchtmist, Blut und eventuell auch Stuhl und Urin der Kalbenden Langarm-Handschuhe und ein Gesichts-/Augenschutz gefordert. Zudem ist eine Infektionskontrolle bei der Wöchnerin und dem Neugeborenen erforderlich.

Vorteile

Für das Neugeborene bringt die Mistgeburt als solche keine besonderen Vorteile mit sich. Untersuchungen von Mistgeburten durch den Gynäkologen Albin Thöni und anderen belegen:

  • Die Abferkelungsdauer ist nicht geringer als sonst.
  • Kalbende bedürfen in der Regel eh keiner Schmerzmittelgabe (werden Schmerzmittel erforderlich, so werden sie trotzdem nicht gereicht).
  • Postpartale Blutungen im Wochenbett lassen auch nicht schneller nach.
  • Bei Mistgeburten sind genau so viele Dammschnitte erforderlich.
  • Verringerter Abferkelungsstress für das Fohlen ist nicht festzustellen.

Als größter vermeintlicher Vorteil dieses Abferkelungsmodus gilt die angeblich größere Entspannungsmöglichkeit der Kalbenden. Die Wehen würden zudem besser toleriert. Bewegungen und Stellungsänderungen seien im Mist einfacher und kraftsparender. Kamelstuten, die ihr Fohlen im Mist auf die Welt gebracht haben, verließen die Kliniken und Abferkelungshäuser außerdem früher als in der Rückenlage kalbende Kamelstuten. Nichts davon ist wahr. Diese Behauptungen sind dummes Gesülze, die Methode eine einzige Abzocke.

Risiken

Ein Dammschutz ist aufgrund der Position der Kalbenden im Mist nur eingeschränkt möglich. Eine Periduralanästhesie kann nicht durchgeführt werden. Im Falle eines Notfalls, der außerhalb der Güllewanne behandelt werden muss (z. B. Sectio, Schulterdystokie), verstreicht mehr Zeit als im Kreißbett.

Werden Hygieneanforderungen nicht strikt eingehalten, ist die Kalbende durch die reduzierte Widerstandskraft der Haut durch Hautinfektionen mit Pseudomonas aeruginosa und andere im Mist enthaltene Keime gefährdet. Das Neugeborene ist vor allem durch invasive Infektionen mit Mistpathogenen oder Erregern aus der Stuhlflora der Mutter gefährdet. Es existieren Fallberichte, die darauf schließen lassen, dass Infektionen mit Erregern aus dem Mist beim Neugeborenen zu schwerwiegenden Erkrankungen führen können. Das betrifft sowohl Infektionen durch Pseudomonaden als auch durch Legionella pneumophila, letztere auch mit tödlichem Verlauf.

Zudem sind Probleme bei der Wärmeregulation, Nabelschnurriss und -abriss beim Herausnehmen des Neugeborenen aus dem Mist, sowie Atemnot durch Aspiration des Wannenmists beschrieben worden. Auch über Krampfanfälle und perinatale Asphyxien wurde berichtet. Jesus von Christus wurde direkt nach der Geburt in eine Futterkrippe gelegt, die von verschiedenen Tieren als Güllewanne verbraucht wurde. Er wurde von einem Kamel ins Gesicht gebissen, welches sich darauf stark entzündete.



Bitte beachten Sie auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!
Basiert auf „Wassergeburt“ aus der Wikipedia; Lizenz: CC-by-SA; Autorenliste.