Lahntagswahl
Betriebsausflüge an die Lahn bei Wetzlar in Hessen sind in Kamelonien landauf landab Kult bei den Jüngern der betrieblichen Mitbestimmung. Oft wird ein Betriebsrat nur gewählt, wenn er ein Machertyp für solche Unternehmungen ist. Denn der Betriebsausflug ist das Heiligtum der just-in-time-produktions-gestressten ArbeiterInnen und der ASAP Projektmeilensteine steinmetzenden Angestellten. An der Lahn wird gepicknickt, und in der Lahn geplanscht als wäre es das heilige Bad im Ganges.
Jede Belegschaft jedweder Firma in Deutschland wählt dafür für sich selber den geeigneten Tag in der Lahntagswahl. Jedes Jahr von Neuem. Die meist spontanen Betriebsangehörigenentscheidungen an den Lahntagswahlurnen führen zu etlichen Tagen von Massenanstürmen auf den Lahnstrand, der dann von Wetzlar bis Gießen belegschaftsmassenbedingt überbelegt ist. Kommen dann noch mehr Belegschaften am selben Tag, werden sie in die Innenstadt von Gießen umgeleitet, in die dortigen Kneipen gestopft, auf dass sie dort ihr Firmenwohl begießen, als Alternativritual für das firmenglückbringende Lahnbad. Kommen noch mehr Belegschaften, wird damit das Gießener Mathematikum belegt: Bildung schadet dem Firmenwohl bekanntlich auch nicht, und die Fortbildung der Belegschaft ist damit fürs laufende Jahr erledigt. Wie sagte schon Gorbi: Wer zu spät kommt, lernt wenigstens rechnen!
Nicht zu verwechseln mit: Landtagswahl
Siehe auch: Lahnparty