Schilda
Schilda ist eine berühmte Stadt und liegt genau zwischen Doberlug-Kirchhain, Tröbitz und Uebigau-Wahrenbrück in Brandenburg. Aus den drei Nachbarorten ragt es geistig-kulturell weit heraus, nicht nur durch seinen Amtsschimmel, der auch sein Wappen ziert: Amtsschimmel vor Hoffnungsgrün. Die Hoffnungen der Schildaer BürgerInnen sind weithin bekannt und erfüllten sich bekanntlich nie. Trotzdem ist dieser Menschenschlag sehr fruchtbar, weshalb der Amtsschimmel für die vielen Schildbürger, wie man die Schildaer schon in alten Schilderungen nannte, eine Exklave in Schwaben anmietete vom König von Württemberg. Der Mietvertrag gilt noch immer. Der ganze Stolz der Schildaer ist ihr Schilderwald, der die ganze Exklave ausfüllt, denn diese Exklave ist die Autofahrerstadt schlechthin in ganz Kamelonien. Die Exklave heißt offiziell Neu-Schilda, im schwäbischen Volksmund allerdings Stuttgart. Es gibt da mindestens zehnmal soviele Verkehrschilder wie EinwohnerInnen.
Es ist trotzdem kein Wunder, dass noch keine Autobahn Schilda und Neu-Schilda direkt verbindet. Denn zuerst wollten die Schildbürger eine schnelle Bahnverbindung, aber stattdessen bauten sie erstmal ihren Neu-Schildaer Hauptbahnhof komplett neu, und zwar statt dem alten überirdischen Kopfbahnhof einen unterirdischen U-Bahnhof. Die Kosten sind so astronomisch, dass der Bahnhofsverbuddelprojektname "Stuttgart 21" zu Sylvester 2025 auch einer neu entdeckten Galaxis gegeben wurde. Eigentlich sollte die U-Bahn-Station 2021 in Betrieb gehen, aber fünf Jahre danach läuft noch garnix, außer den Verträgen mit Bahnbetriebsfirmen, die 2026 ihren Betrieb übernehmen, obwohl es noch garnix zum Betreiben gibt. Aber so endet eben jedes Treiben von Schildbürgern. Und das beste: Die alten Verträge, die den Bahnbetrieb regeln, werden 2026 ungültig. Tja, so kommt es, wenn man einem Autofahrervölkchen wie den Schidaern einen Bahnhof baut. Aber zum Glück unterirdisch - dann sieht's ja keiner.