Zylinderkopfdichtung: Unterschied zwischen den Versionen

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Ein Vogel - s'ist ein Wiedehopf -
'''1.'''
pfeift auf einem Zylinderkopf.
: Ein Vogel - s'ist ein Wiedehopf -
Der gehört zu `nem feinen Herrn.
: pfeift auf einem Zylinderkopf.
Der trägt Zylinderhüte gern
: Der gehört zu `nem feinen Herrn.
auf seinem [[Kopf]], der nur Zylinder
: Der trägt Zylinderhüte gern
verträgt als [[Hut]] mehr oder minder.
: auf seinem [[Kopf]], der nur [[Zylinder]]
 
: verträgt als [[Hut]] mehr oder minder.
Dem Herrn gefällt's gepfoffne [[Lied]],
 
und singt's aus vollen Kräften mit.
'''2.'''
Dann nimmt er seinen [[Chapeau Claque]],
: Dem Herrn gefällt's gepfoffne [[Lied]],
und "Klack", den Hut wie er ihn mag
: und singt's aus vollen Kräften mit.
auf Knopfdruck aus der Kapp er macht,
: Dann nimmt er seinen [[Chapeau Claque]],
nen Herrnhut in Zylinder-Pracht.
: und "Klack", den Hut wie er ihn mag
 
: auf Knopfdruck aus der Kapp er macht,
Der [[Vogel]] tut grad weiter pfeifen.
: nen Herrnhut in Zylinder-Pracht.
Dem Herrn tut eine [[Idee]] reifen.
 
"Der Vogel singt ja so [[genial]],
'''3.'''
und für mich nicht zum letzten Mal."
: Der [[Vogel]] tut grad weiter pfeifen.
Setzt auf den Hut und der Piepmatz,
: Dem Herrn tut eine [[Idee]] reifen.
hat im Zylinder nun sein´ Platz.
: "Der Vogel singt ja so [[genial]],
: und für mich nicht zum letzten Mal."
: Setzt auf den Hut und der Piepmatz,
: hat im Zylinder nun sein´ Platz.
 
'''4.'''
: Die feinen Herren haben auch Kinder,
: die gehen zur Schule mit Zylinder.
: Der Hut wird Bübelein und Mädel
: kraftvoll gestülpt dort auf den Schädel,
: und bis zur [[Konformation]] belassen,
: damit sich die Köpfe der Form anpassen.
 
'''5.'''
: Ein [[Zylinderkopf]], so nennt man das, 
: wenn Mensch und Hals verschmelzen krass. 
: Kein echtes Kinn, kein Stirnrelief – 
: nur glatt nach oben wie ein Chef.
: Der Kopf sitzt da wie aufgeschraubt, 
: der Hals zu lang, das Kinn geraubt. 
 
'''6.'''
: Die [[Ohren]] flach, die [[Nase]] spitz – 
: [[Gesicht]] und [[Hals]] ein [[Raupe]]nwitz.
: Die Form ist klar, doch Sinn fehlt schlicht – 
: sie denken oft, doch denken nicht.
: Und schlimmer noch: sie sind nicht dicht. 
: Es zieht im Kopf, es fehlt Gewicht. 
 
'''7.'''
: Gedankendampf entweicht in Schwaden, 
: wo andere längst Hirndruck laden.
: Drum braucht’s beim Mensch in solcher Form 
: oft [[Dichtung]], künstlich, normkonform. 
: Man klemmt am Hals ein festes Band, 
: damit der Wahnsinn nicht entwand.
 
[[Bild:Wurmgesichtmädchen.png|250px|right]]
'''8.'''
: Ein Wurmmädchen – bekanntes Bild – 
: war außen glatt, doch innen wild. 
: Sie schnauzte laut beim Schnäuzgeräusche, 
: doch popelte wie eine Kamelscheuche.
: Mit [[Taschentuch]], fest [[Rolle|eingerollt]], 
: stieß sie voran ins [[Nasenschleim|Nasengold]].
'''9.'''
: Mit Dünkel war sie ganz durchfeuchtet – 
: [[Erziehung|erzogen]], aber nicht [[Erleuchtung|erleuchtet]].
: So sind sie halt: gebaut als [[Achse]], 
: von oben [[glatt]], doch innen [[Wachs]]e. 
: Man schraubt sie auf, man schraubt sie zu – 
: doch ganz dicht sind sie selten. Puh.


[[Kategorie:Lyrik]]
[[Kategorie:Lyrik]]

Aktuelle Version vom 7. August 2025, 17:44 Uhr

Ein Gedicht

1.

Ein Vogel - s'ist ein Wiedehopf -
pfeift auf einem Zylinderkopf.
Der gehört zu `nem feinen Herrn.
Der trägt Zylinderhüte gern
auf seinem Kopf, der nur Zylinder
verträgt als Hut mehr oder minder.

2.

Dem Herrn gefällt's gepfoffne Lied,
und singt's aus vollen Kräften mit.
Dann nimmt er seinen Chapeau Claque,
und "Klack", den Hut wie er ihn mag
auf Knopfdruck aus der Kapp er macht,
nen Herrnhut in Zylinder-Pracht.

3.

Der Vogel tut grad weiter pfeifen.
Dem Herrn tut eine Idee reifen.
"Der Vogel singt ja so genial,
und für mich nicht zum letzten Mal."
Setzt auf den Hut und der Piepmatz,
hat im Zylinder nun sein´ Platz.

4.

Die feinen Herren haben auch Kinder,
die gehen zur Schule mit Zylinder.
Der Hut wird Bübelein und Mädel
kraftvoll gestülpt dort auf den Schädel,
und bis zur Konformation belassen,
damit sich die Köpfe der Form anpassen.

5.

Ein Zylinderkopf, so nennt man das,
wenn Mensch und Hals verschmelzen krass.
Kein echtes Kinn, kein Stirnrelief –
nur glatt nach oben wie ein Chef.
Der Kopf sitzt da wie aufgeschraubt,
der Hals zu lang, das Kinn geraubt.

6.

Die Ohren flach, die Nase spitz –
Gesicht und Hals ein Raupenwitz.
Die Form ist klar, doch Sinn fehlt schlicht –
sie denken oft, doch denken nicht.
Und schlimmer noch: sie sind nicht dicht.
Es zieht im Kopf, es fehlt Gewicht.

7.

Gedankendampf entweicht in Schwaden,
wo andere längst Hirndruck laden.
Drum braucht’s beim Mensch in solcher Form
oft Dichtung, künstlich, normkonform.
Man klemmt am Hals ein festes Band,
damit der Wahnsinn nicht entwand.

8.

Ein Wurmmädchen – bekanntes Bild –
war außen glatt, doch innen wild.
Sie schnauzte laut beim Schnäuzgeräusche,
doch popelte wie eine Kamelscheuche.
Mit Taschentuch, fest eingerollt,
stieß sie voran ins Nasengold.

9.

Mit Dünkel war sie ganz durchfeuchtet –
erzogen, aber nicht erleuchtet.
So sind sie halt: gebaut als Achse,
von oben glatt, doch innen Wachse.
Man schraubt sie auf, man schraubt sie zu –
doch ganz dicht sind sie selten. Puh.