Zylinderkopfdichtung

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Ein Gedicht

1.

Ein Vogel - s'ist ein Wiedehopf -
pfeift auf einem Zylinderkopf.
Der gehört zu `nem feinen Herrn.
Der trägt Zylinderhüte gern
auf seinem Kopf, der nur Zylinder
verträgt als Hut mehr oder minder.

2.

Dem Herrn gefällt's gepfoffne Lied,
und singt's aus vollen Kräften mit.
Dann nimmt er seinen Chapeau Claque,
und "Klack", den Hut wie er ihn mag
auf Knopfdruck aus der Kapp er macht,
nen Herrnhut in Zylinder-Pracht.

3.

Der Vogel tut grad weiter pfeifen.
Dem Herrn tut eine Idee reifen.
"Der Vogel singt ja so genial,
und für mich nicht zum letzten Mal."
Setzt auf den Hut und der Piepmatz,
hat im Zylinder nun sein´ Platz.

4.

Die feinen Herren haben auch Kinder,
die gehen zur Schule mit Zylinder.
Der Hut wird Bübelein und Mädel
kraftvoll gestülpt dort auf den Schädel,
und bis zur Konformation belassen,
damit sich die Köpfe der Form anpassen.

5.

Ein Zylinderkopf, so nennt man das,
wenn Mensch und Hals verschmelzen krass.
Kein echtes Kinn, kein Stirnrelief –
nur glatt nach oben wie ein Chef.
Der Kopf sitzt da wie aufgeschraubt,
der Hals zu lang, das Kinn geraubt.

6.

Die Ohren flach, die Nase spitz –
Gesicht und Hals ein Raupenwitz.
Die Form ist klar, doch Sinn fehlt schlicht –
sie denken oft, doch denken nicht.
Und schlimmer noch: sie sind nicht dicht.
Es zieht im Kopf, es fehlt Gewicht.

7.

Gedankendampf entweicht in Schwaden,
wo andere längst Hirndruck laden.
Drum braucht’s beim Mensch in solcher Form
oft Dichtung, künstlich, normkonform.
Man klemmt am Hals ein festes Band,
damit der Wahnsinn nicht entwand.
Wurmgesichtmädchen.png

8.

Ein Wurmmädchen – bekanntes Bild –
war außen glatt, doch innen wild.
Sie schnauzte laut beim Schnäuzgeräusche,
doch popelte wie eine Kamelscheuche.
Mit Taschentuch, fest eingerollt,
stieß sie voran ins Nasengold.

9.

Mit Dünkel war sie ganz durchfeuchtet –
erzogen, aber nicht erleuchtet.
So sind sie halt: gebaut als Achse,
von oben glatt, doch innen Wachse.
Man schraubt sie auf, man schraubt sie zu –
doch ganz dicht sind sie selten. Puh.