Kamelobooks:Die heiligen drei Kameltreiber

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Es begab sich aber zu der Zeit, als Kameltreiber noch die Könige der Landstraße waren, dass ein Gebot von August dem Schwachen ausging, dass alle Welt sich schätzen ließe. Und ein jeglicher begab sich in seine Stadt, so auch Caspar, Balthasar und Melchior, die drei von der Karawane, und ihre Kamele. Sie freuten sich auf die Schätzung, wußten sie doch selber nicht, wieviel ihre Kamele wert waren. In ihrer Heimatstadt Betlehem hatte nämlich das kaiserliche Schätzamt des Römischen Reiches des mindestens bis drei Zählens mächtige Schatzbeamte, die für ihre Wertschätzung von Kamelen berühmt waren. Und so trafen sich die Karawanen der ganzen Welt in Betlehem und feierten zusammen ein riesiges Kamelfestival. Die Kinder dort bekamen glänzende Augen, wenn sie die Kamele um die Wette ihre Kunststückchen vorführend sahen, etwa durch Feuerreifen springend, auf den Höckern Eier balancierend um die Wette rennend, oder ihren Treibern Küsschen gebend. Die Karawane von Caspar, Balthasar und Melchior war dabei sowas wie der FC Bayern unter den Herden, und ihre Vorführungen wurden von lieblichen Gesängen ihrer kleinen Fans begleitet. Es waren soviele, dass dies als das Singen himmlischer Heerscharen überliefert wurde, wozu das Glänzen in ihren Augen die Nacht erhellte. Es war wieder mal so überwältigend, dass es die drei von der Karawane nur noch in ihre weichen Betten im Hotel zum Stern hinzog. Vor dem Zubettgehen stellten sie aber noch ihre Kamele im Stall ab, wo, wie rührend, ein junges Paar gerade die Niederkunft seines Nachwuchses feierte. Zu Gast waren schon ein Ochse und ein Esel. Doch das Kindlein wollte einfach nicht einschlafen und schrie wie am Spieß. Da half auch alles "Muh" und alles "I-A" nicht. Da führte Caspar sein Lieblingskamel Amely, das mit dem goldenen Haar, zu der Krippe, in welcher das Kindlein einschlummern sollte, was eigentlich ungünstig war, lag das Kind doch nunmehr gebettet auf dem Kamelfutter fürs Abendessen. Das Kindlein streckte begeistert seine Hände nach Kamelin Amelys flauschigem goldenen Fell aus, und schon wurde es ruhiger, aber nur wenige Dezibel. Dennoch reichte es dafür, dass Caspar und Amely als Erfinder des Streichelzoos in die Annalen eingingen. Als nächster nahm Balthasar sein Kamel Berthold und teilte mit ihm eine Tüte. Der Betäubungsmittelrauch besänftigte das Kindlein in der Krippe noch etwas. Und was machte da Melchior? Sein mürrisch fauchendes Kamel zog er aus dem Stall. Endlich kehrte Ruhe ein für des Kindleins Nachtruhe, sprich: Die Nacht ward geheiligt, d.h. auch die drei von der Karawane konnten selig ruhig schlafen, ungestört von Kindergeplärr. Später deswegen zu Heiligen der Nachtruhe erklärt, wurde ihnen zu Ehren in Köln am Rhein ein Dom gebaut. Als Köln noch ein verschlafenes Städtchen war.