Bauchhirn
Das Kamel stand am Anfang der Evolution. Es hatte zwei Höcker als Fettspeicher. Das viele Fett führte zu einem Energieüberschuss im Kamel. Davon konnten sich neuartige Zelltypen entwickeln: Nervenzellen. So entstanden die ersten Gehirne in Höckern. Die Kamele gewöhnten sich an den neuen inneren Zustand, den sie "Denken" nannten. Als die heutige Heimat der Kamele noch keine Wüsten waren, war sie überreich an Nahrung. Das führte bei vielen von ihnen zum Bauchhöckersyndrom. Der dritte Höcker entwickelte schnell auch ein eigenes Gehirn, das Bauchhirn. Während die zwei Höckergehirne auf dem Kamelrücken sich die Aufgaben Wissen und Weisheit teilten, begann das Bauchhirn über Wohl und Wehe zu sinnieren, z.B. über Bauchweh. Es entstand das sogenannte Bauchgefühl. Durch das Wiederkäuen gelangten auch Bauchhirnteile in die Köpfe der Kamele. Dort entstanden außerdem Geschmacksnerven, die noch viel stärker aus Nahrung Wohl und Wehe vermittelten. Zu guter Letzt entstand so das Hirn im Kopf, wo ja gemeinhin von höckerlosen Wesen die Intelligenz verortet wird. Es ist dann beim Kamel in der Tat auch zur Hauptschaltstelle allen bewussten Handelns geworden, das tieferliegende Bauchhirn folglich Sitz des Unterbewusstseins und damit der Urgrund aller Psychologie. Ein kluges Kamel verlässt sich nicht allein auf das Bauchgefühl, sondern auch auf die Eingebungen, die ihm seine Höcker flüstern. Ein in langweiligem Karawanentrott gefangenes Kamel aber schaltet leider allzugerne Kopfhirn und Höckerhirne ganz ab. Dieser fachlich Trottsucht genannte Zustand unterdrückt die überragenden intellektuellen Fähigkeiten von Kamelen, ja lässt sie unterentwickelt, als mache der Alltagstrott aus diesen armseligen Höckertieren einfach nur Trottel.
Siehe auch: Über den Darm - mehr als ein Verdauungsrohr